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ArchiCAD oder Revit? Ein ehrlicher Vergleich für Schweizer Büros

18. Jan 20267 Min. LesezeitSoftware

Beide BIM-Programme haben Stärken und Schwächen. Wir vergleichen sie aus der Perspektive Schweizer Architekturbüros.

ArchiCAD oder Revit? Diese Frage spaltet die Architekturbranche seit Jahren. Beide Programme sind leistungsstarke BIM-Werkzeuge, aber sie verfolgen unterschiedliche Philosophien und eignen sich für verschiedene Arbeitsweisen. In der Schweiz hat ArchiCAD traditionell eine starke Stellung — doch Revit holt auf. Dieser Vergleich beleuchtet die Unterschiede aus der Praxis, ohne Vorurteile und ohne Werbeversprechen.

Marktanteile in der Schweiz

In der Schweiz nutzen schätzungsweise 55 bis 60 Prozent der Architekturbüros ArchiCAD als primäres BIM-Tool. Revit liegt bei rund 25 bis 30 Prozent, mit steigender Tendenz — besonders bei grösseren Büros und internationalen Projekten. Die restlichen Büros arbeiten mit Allplan, Vectorworks oder noch in reinem 2D. Die Wahl der Software hängt oft von der Bürogrösse, der Art der Projekte und den Anforderungen der Zusammenarbeitspartner ab.

ArchiCAD: Stärken und Schwächen

ArchiCAD wurde von Architekten für Architekten entwickelt — das merkt man. Die Bedienung ist intuitiv, der Einstieg gelingt vergleichsweise schnell. Besondere Stärken: hervorragende 2D-Plandarstellung direkt aus dem Modell, schnelle Schnittgenerierung, und eine ausgereifte Teamwork-Funktion für die Zusammenarbeit. Die Schweizer Lokalisierung ist exzellent, inklusive SIA-konformer Vorlagen. Schwächen zeigen sich bei sehr grossen Projekten mit vielen Fachplanern und bei der Integration in Autodesk-lastige Umgebungen. Auch die Familienbibliothek ist kleiner als bei Revit.

Revit: Stärken und Schwächen

Revit ist Teil des Autodesk-Ökosystems und punktet mit nahtloser Integration in andere Autodesk-Produkte wie AutoCAD, Navisworks und BIM 360. Die parametrische Familienerstellung ist extrem leistungsfähig, und die riesige Online-Bibliothek bietet Tausende vorgefertigte Bauteile. Für Grossprojekte mit vielen Beteiligten und internationalen Teams ist Revit oft erste Wahl. Nachteile: Die Lernkurve ist steil, die 2D-Plandarstellung erfordert mehr Nacharbeit als in ArchiCAD, und die Software ist ressourcenhungrig. Die Schweizer Lokalisierung ist vorhanden, aber weniger ausgereift als bei ArchiCAD.

Zusammenarbeit und IFC-Austausch

In der Praxis arbeiten Architekturbüros selten isoliert. Fachplaner, Bauingenieure und Haustechniker nutzen unterschiedliche Software. Der IFC-Standard (Industry Foundation Classes) soll den modellbasierten Datenaustausch ermöglichen — unabhängig von der Software. Beide Programme exportieren und importieren IFC, aber die Qualität variiert. ArchiCAD gilt traditionell als stärker im IFC-Export, während Revit in reinen Autodesk-Umgebungen reibungsloser funktioniert. Für Schweizer Büros ist der IFC-Workflow zentral, da die SIA-Normen zunehmend modellbasierte Abgaben verlangen.

Kosten und Lizenzmodelle

ArchiCAD kostet in der Schweiz rund CHF 5'500 für eine Einzellizenz (Kauflizenz) oder etwa CHF 2'700 pro Jahr im Abonnement. Revit ist nur als Abo erhältlich und kostet rund CHF 3'400 pro Jahr — allerdings ist es auch in der Autodesk AEC Collection enthalten (rund CHF 4'800/Jahr), die zusätzlich AutoCAD, Navisworks und weitere Tools umfasst. Für kleinere Büros ist ArchiCAD mit der Kauflizenz langfristig oft günstiger. Grössere Büros profitieren vom breiten Autodesk-Ökosystem.

Fazit: Es gibt keine falsche Wahl

Beide Programme sind ausgereift, leistungsfähig und für professionelle BIM-Arbeit geeignet. Die richtige Wahl hängt von Ihrem Büro ab: Kleinere bis mittlere Büros mit Fokus auf Wohnungsbau und Umbauten fahren mit ArchiCAD oft besser. Grössere Büros mit internationalen Projekten und vielen Autodesk-Schnittstellen profitieren von Revit. Bei Bimzeichner arbeiten wir mit beiden Plattformen gleichermassen routiniert. Egal ob Ihr Projekt in ArchiCAD oder Revit umgesetzt wird — wir liefern BIM-Modelle und Pläne in der Software Ihrer Wahl.

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